"Golden Indian Summer´s"
Die Entwicklungsstadien des HundesQuelle: Gudrun Feltmann, Welpentraining mit Gudrun Feltmann "der gute Start"
Das vegetative Stadium1. Tag bis 14. Tag

Die Welpen sind hilflos. Die Aktivitäten der Mutter dienen ausschließlich der Betreuung der Welpen. Bei der Geburt des Hundes sind bei weitem nicht alle Sinnesorgane funktionstüchtig. Die Augen und Ohren sind noch geschlossen, auch der Geruchssinn scheint nur bedingt zu funktionieren. Außer einem ausgeprägten Hin- und Herpendeln des Kopfes und einem kräftigen Abstemmen der Hinterläufe sind die motorischen Fähigkeiten des Welpen noch sehr eingeschränkt. Gut ausgeprägt ist der Tastsinn und das Empfinden für Wärme und Kälte.                                                                                                .

Das Stadium des Erwachens14. - 21. Tag




Nun beginnen die Sinnesorgane, Reize von außen aufzunehmen und über entsprechende Nervenbahnen an die Großhirnrinde weiterzuleiten. Auch die Motorik verändert sich. Ab dem 17. Lebenstag, können die Welpen statt sich pendelnd im Kreis zu bewegen, geradeaus laufen. 

Die Eroberung der Umwelt4. - 20. Woche

D-Wurf / Wo ist Fiona (Katze)?
Nach der 3. Woche werden die Welpen deutlich aktiver. Das Neugierverhalten kennt keine Grenzen. In dieser Zeit ist es von größter Bedeutung, dass der Züchter und später der neue Besitzer für die Welpen Voraussetzungen schafft, die es dem jungen Hund ermöglichen, Umwelteindrücke sammeln zu können. Sowohl die motorischen, die physischen und die psychisch-sozialen Bedürfnisse des Welpen müssen in diesen ersten fünf Monaten ausreichend befriedigt werden, damit sich der Hund im Stadium des Umgangs mit der Umwelt zurechtfindet und sich zu einem selbstsicheren, erwachsenen Hund entfalten kann.

Fiona prägt unsere Welpen super mit !
Es müssen also alle Sinnesorgane gefordert und gefördert werden. Die Begründung hierfür liegt in folgender Erkenntnis: Viele Zellen der Großhirnrinde liegen zunächst brach; dies ist verständlich, da wie wir wissen, manche Sinnesorgane, wie z. B. die Augen oder die Ohren, in den ersten Lebenstagen noch keine Reize aufnehmen können. In dem Augenblick jedoch, in dem sich z.B. die Augen öffnen, werden Zellen der Netzhaut mit Eindrücken von außen gereizt. Die Reizimpulse werden über Nervenbahnen in das Sehzentrum, das sich in der Großhirnrinde befindet, weitergeleitet und damit werden Verbindungen der Nervenbahnen zu den >Sehzellen< im Großhirn hergestellt und diese Zellen aktiviert. Dieser Prozess ist für die Funktionstüchtigkeit des Sehzentrums notwendig. Werden die Verbindungen aus Gründen der Reizarmut nicht hergestellt und die entsprechenden Zellen im Zentrum des Gehirns nicht aktiviert, verkümmern sie und können ihre Funktion nicht mehr oder nur ungenügend erfüllen. Das bedeutet, dass wir unsere Hunde im wahrsten Sinne des Wortes >verdummen< können, wenn wir sie im Stadium der Eroberung der Umwelt isoliert halten und ihnen somit die Möglichkeit nehmen, genügend Sinneseindrücke aus der Umwelt aufzunehmen.   

Kuscheleinheit bei Mama Indra!
Diese Entwicklungszeit ist vielleicht die wichtigste für die gesunde physische und psychische Entwicklung eines Hundes. Es ist die Zeit, in der ein Hund am lernbegierigsten und aufnahmefähigsten für alle Eindrücke aus der Umwelt ist, die auf ihn einwirken. Eine Zeit, in der der Welpe lernen muss, sich an die unter Hunden üblichen sozialen Regeln zu halten. Er muss den Umgang mit gleichaltrigen Hunden und mit erwachsenen Hunden erlernen. Dazu gehört, dass er erkennt, wann er zu einem erwachsenen Hund, der naturgegeben überlegen ist, Distanz halten muss, wie lange er spielen darf und wie heftig sein Spiel sein darf. Er muss erkennen, wann und wie viel Aggression gezeigt werden darf und in welcher Situation er sich unterwerfen muss. Und dabei muss er noch ganz genau das Maß einschätzen, wie das menschliche Verhalten beobachten, es verstehen und sein Verhalten entsprechend danach richten.

Zora C-Wurf / Besitzer: Monika u. Erich Wirth


Dies ist nur ein grober Auszug aus dem ungeheuer großen Lernprogramm, das so ein kleiner Welpe bis etwa bis etwa zur 20. Lebenswoche bewältigen muss. Es wirkt wie ein Wunder für mich, zu sehen, mit welcher Unbeschwertheit und
Selbstverständlichkeit der kleine Hund dies alles in sich aufnimmt und verarbeitet. Welche Energie muss in so einem Welpen stecken!

Umso unverständlicher ist die Theorie, einen Welpen in dieser wichtigen Lernzeit zunächst ohne menschlichen Einfluss einfach gewähren zu lassen. So wird er, weil er so lernbegierig ist, vieles lernen, was für ein Zusammenleben mit dem Menschen bald unerträglich werden wird, z.B. beim Spazieren gehen beharrlich an der Leine zu ziehen, unkontrolliert zu bellen, fremde Menschen anzubellen, dem Wild nachzulaufen, nicht alleine zu Hause zu bleiben und vieles, vieles mehr. Diese unerwünschten Verhaltensweisen wieder abzutrainieren, wenn der Hund dann später >erzogen< werden soll, ist äußerst mühsam und zeitaufwendig.

Jonah aus dem B-Wurf
Im Allgemeinen werden diese Verhaltensweisen vom Hundebesitzer erst dann als Problem empfunden, wenn sich die Nachbarn oder andere Mitmenschen entsprechend beschweren. Wie viele Feindschaften unter Menschen sind schon aus diesen Gründen entstanden. Der Hund sollte jedoch eher ein verbindendes Glied für Menschenfreundschaften sein und nicht für menschliche Feindschaften verantwortlich gemacht werden. Eine andere Möglichkeit, in den ersten Lebensmonaten keinen Einfluss auf den Hund zu nehmen, ist, ihn aus dem menschlichen Lebensbereich auszusperren und ihn in einen Zwinger oder eine >Homebox< (das ist ein Wohnungskäfig für Hunde!) einzusperren. Dann ist man vor dem lebensfrohen, übermütigen Handlungen seines Hundes sicher und braucht sich nicht mit ihm herumzuärgern. Es wird nicht sehr lange dauern, bis der Hund seine Lebensfreude verloren hat und resignierend seine wertvolle Jugendzeit mit Warten zubringt, um dann als psychisches Wrack, unterentwickelt, ohne Selbstvertrauen und verdummt, vom Menschen manipuliert bzw. dressiert werden zu können. Unser Hund wird nach allem, was wir jetzt wissen, die wichtige Zeit der >Eroberung der Umwelt< mit uns gemeinsam verbringen und dabei die notwendigen Spielregeln erlernen. Somit wird er gut für das nächste Entwicklungsstadium vorbereitet sein. 

Der Umgang mit der Umwelt20. Woche bis Geschlechtsreife

Jonah aus dem B-Wurf
Hat der junge Hund bis jetzt seine Umgebung erforscht und findet sich ohne Angst in ihr zurecht, beginnt er nun, seine Umwelt für sich auszunutzen. Bislang hat er z.B. Wildfährten zwar wahrgenommen und auch interessiert versucht, sie zu verfolgen, aber dies geschah noch etwas konfus. Jetzt >weiß< er plötzlich, was eine Rehfährte oder eine Hasenspur ist. Er arbeitet sie zielstrebig und ausdauernd aus. Er ist vertraut mit der Umwelt. Sein Freund Mensch wird zu Hause geliebt, draußen aber ist er beinahe ein wenig lästig. Der Hund möchte jetzt gerne seine eigenen Wege gehen und selbstständig sein. Er entfernt sich erheblich weiter als bislang von seinem Freund Mensch, ignoriert ihn geradezu, da es für den Hund wichtiger und interessanter ist, seine Jagd- und Beutetechniken zu vervollkommnen, als den Hör- bzw. Sichtzeichen seines Menschen Folge zu leisten.

Schafft der Mensch es nicht, seinen Hund psychisch an sich zu binden, d.h. den Hund so für sich zu interessieren, dass für ihn die Umwelt zwar wichtig, sein Freund Mensch aber noch weitaus wichtiger ist, dann wird er z.B. das Jagdverhalten nie mehr zuverlässig oder nur sehr schwer in die gewünschten Bahnen lenken können.
Cedric besuchte den C-Wurf!
In diesem Stadium, so konnte ich bei meinen eigenen, aber auch bei den heranwachsenden Hunden die bei mir geschult wurden feststellen, lassen die jungen Hunde plötzlich noch einmal psychische Unsicherheiten erkennen, und zwar in Situationen, die sie früher nicht beeindruckten. Einerseits zeigen sie draußen erhebliche Sicherheit, wenn sie sich von ihrem Menschen entfernen und ihre eigenen Wege gehen wollen, andererseits wirken sie im Umgang mit dem Menschen und auch mit den Artgenossen eher unsicher. Diese psychische Unausgeglichenheit sollte verstanden und entsprechend berücksichtigt werden. Nach dieser Zeit tritt im Allgemeinen die Geschlechtsreife ein. Jetzt muss die Verständigung, d.h. die Spielregeln zwischen den Partnern, endgültig festgelegt sein, damit ein harmonisches Zusammenleben für beide Teile möglich ist und ohne Probleme verlaufen kann.

Die verschiedenen Entwicklungsphasen haben wir aus dem BuchWelpentraining mit Gudrun Feltmann Der gute Start entnommen.
Wir möchten Ihnen folgende Bücher ans Herz legen, bevor ein Welpe bei Ihnen einzieht:
1. Die Kunst, mit dem Hund zu reden, Gudrun Feltmann 
2. Welpentraining "Der gute Start", Gudrun Feltmann 
Thula bei der Deckenübung !